Vom 24. bis 28.Mai fand die 6. Silver Challenge in Niederöblarn statt. Aus ganz Österreich trafen sich junge und junggebliebene Flieger um gemeinsam ihre ersten Schritte im Streckensegelflug zu tun und sich endlich vom Platz zu wegzutrauen. Die Silver Challenge ist ein offener Bewerb mit Trainingslagercharakter um junge Piloten und alte Platzadler dem Streckenfliegen und Wettbewerbsfliegen näher zu bringen.

Vom Flugfieber voll erfasst und mit dem fixen Vorhaben so bald wie möglich auf Strecke zu gehen, fasste ich im Sommer 2005 nach Scheinerhalt den Entschluss meine ersten Versuche vom Platz wegzufliegen im Zuge der Silver Challenge zu machen. Beeindruckt von den Berichten aus den Vorjahren (mit tollen Leistungen der Teilnehmer und traumhaften Wetter) ließ das verlängerte Wochenende um Christi Himmelfahrt großes Erwarten. Es sollte jedoch anders kommen.

Nachdem die ersten beiden Maiwochen uns mit schönstem Streckenwetter verwöhnt hatten, stellte sich eine hartnäckige Störung über den Alpen ein, die sich einfach nicht vom Fleck bewegte. So machte ich mich am Mittwoch dem 24.05 (Anreisetag) in einer Regenpause in Richtung Flugplatz Aigen auf und ließ mich von einem unserer allzeit bereiten Schlepppiloten nach Niederöblarn schleppen. Der Heimvorteil war für mich deutlich spürbar, nicht nur dass ich die Berge und Bärte im „Wettbewerbsgebiet“ genau kannte, auch sparte ich mir lange Anfahrten mit dem Hänger.
In Niederöblarn waren schon die ersten anderen Teilnehmer eingetroffen, die schleunigst ihre offenen Ka 8-, Ka 6- usw. -Hänger im Hangar verstauten um nicht vom nächsten Schauer eingewässert zu werden. Die sonst so beeindruckende Grimming Kulisse war durch tief hängende Wolken sehr getrübt. Sehr froh mit unserer Pilatus B4 gekommen zu sein und mir Blech-Sei-Dank die tägliche Aufrüsterei oder den Kampf um einen Hallenplatz zu ersparen, parkte ich gleich in der Pole Position und musste nur die Haube wasserdicht abdecken und etwaige Ritzen, wie die Klappenkästen abpicken. Flieger anbinden-fertig.

An einen Einweisungsflug mit der Niederöblarner Ka 7 zum kennen lernen des Platzes war leider nicht mehr zu denken, da die trockene Viertelstunde für diesen Tag schon vorbei war, so verbrachten wir den restlichen Nachmittag auf das Welcome Briefing wartend zwischen Flugplatz Cafe und Halle, staunend über die vielen schönen Flieger die da wie wir auf besseres Wetter warteten.

Um 19 Uhr begann dann offiziell die Silver Challenge 2006 mit dem Welcome Briefing, bei dem wir alle Teilnehmer und Michael Gaisbacher, Steiner Victor und Michaela, die Organisatoren und Leiter, kennen lernen durften. Neben allerlei Organisatorischem besprachen wir den weiteren Verlauf des Bewerbs. Man überfiel uns gleich mit der „guten“ Neuigkeit: Wir würden fliegen. Morgen. Und nur Morgen. Denn das Wetter dachte gar nicht daran sich wegen uns zu bessern.
Also setzten wir alles auf eine Karte und starteten das Projekt „Silber C“ für den 25.Mai. Mehrere Task Varianten wurden besprochen um für die Mutigen unter uns die Möglichkeit offen zu halten in dem kurzen Wetterfenster unsere 50km zu fliegen, bevor die angekündigten Cirrenfelder uns alle auf den Boden der Tatsachen zurückholen sollten. Ansonsten galt die Devise so lange wie möglich zu fliegen. Schließlich gehören zum Silber C nicht nur 50km sondern auch 5h.

Der Donnerstag Morgen ließ die Hoffnungen und Erwartungen wieder aufleben. Zwischen den Wolkenfetzen der Restfeuchte konnte man Grimming und Blauen Himmel (!) erkennen und die ersten Sonnenstrahlen kitzelten uns alle wach. So kam schon vor dem Morgen- Briefing Hektik unter den Teilnehmern auf, es galt die Flieger in Bestzeit aufzurüsten, um sich einen Startplatz in der langen Schlange der Niederöblarner Gäste und Einheimischen zu sichern, denn jeder wollte den Tag nützen.

Mit einem leichten Grinsen, das ich mir angesichts der „Entlasten!“ und „Wia geht des nomoi?!?“ –Aufrüst- Ausrufe nicht verkneifen konnte, wischte ich das restliche Wasser von meiner „Rennmaschine“ und gemeinsam mit Andi Haider, meinem Helfer, verfeinerte ich noch das Klebeband- tuning der B4. Beim Morgen Briefing wurde die Aufgabe offiziell: Niederöblarn (Abflug in der Nähe des Karlspitz)- Hauser Kaibling- Trieben- Niederöblarn. Einige hatten schon vor dem Briefing ihre Einweisungsflüge hinter sich gebracht und Ortskundige durften ohne starten um nicht wertvolle Flugzeit zu verschenken.

 

So finden wir uns zwischen Deutschen, Wienern und sonstigen Gästen mit deren Superorchideen an der Startstelle 04 wieder und langsam steigt die Spannung. Wie hoch geht’s rauf? Wann kommt die Abschirmung? Werden wir uns überhaupt halten können? Letztere Zweifel werden schnell zerstreut, dann nachdem man sich und den Bummerln doch endlich zutraut zu starten und sich einige von uns durch gekonnte Manöver in bessere Positionen vorschieben konnten werden erste gute Steigwerte gemeldet.

Das beruhigende Gefühl, den Ausklingbart gleich erwischt zu haben gibt Sicherheit, und die brauchen wir auch, denn zwischen den ganzen Fliegern bleibt nicht viel Zeit den Blick am Vario zu lassen, die Luft ist sehr Plastikhältig über Niederöblarn. Doch ein souveräner Albert Seebacher managed die fünf Schleppmaschinen, die gleichzeitig versuchen so viele Segler wie möglich in den Himmel zu reißen, wie kein Zweiter und so sind dann doch bald alle in der Luft.

 

Für mich geht’s gleich recht gut los, 1,3m steigen auf 2400m NN, nicht berauschend, aber damit lässt sich arbeiten. Mit der Sicherheit des Heimvorteils mache ich mich auf den Weg Richtung erste Wende und kann nach knapp 45min nach dem Ausklinken überm Hauser Kaibling wenden. Der Schnitt ist bescheiden, doch der Wind aus West-Süd-West, der später auf Nord-West dreht, macht sich mit fiesen Lees und stark versetzten Bärte störend bemerkbar. Auch die relativ niedrige Arbeitshöhe macht es nötig die Bärte von direkt über und auch manchmal unter Grat anzufliegen und auszukurbeln- nicht ganz einfach für uns Anfänger.

Doch mit etwas Durchhaltevermögen und Biss geht es weiter, Richtung Trieben. Langsam steigt die Basis und auch die anderen Teilnehmer sammeln Erfahrungen in der für manchen neuen Bergwelt um Niederöblarn. Und selbst wenn die Erfahrung mit einem zweiten Schlepp bezahlt werden muss, früh starten war nicht gleichbedeutend mit langem Fliegen, wie uns später klar wurde.

Michael Gaisbacher und Ela Steiner begleiten uns mit der DG500 und auch Vic ist mit dem Kestrel unterwegs um uns durch Tipps und Tricks über Funk das Leben zu erleichtern. Entlang einer guten Linie über Donnersbach und Planneralm weiter Richtung Stein am Mandl mache ich jetzt endlich Meter, der Schnitt klettert auf 70km/h, damit bin ich in der B4 schon recht zufrieden. Der Tag hat sich gut entwickelt, die Basis ist gestiegen und auf dem zweiten Schenkel schiebt der Wind an. Vor der Talquerung Richtung Trieben gelingt es mir sogar neben den Wolken weiterzusteigen und so motiviert will ich noch nicht zurück und verlängere noch Richtung Eisenerzer Reichenstein. Doch kurz davor fällt mir auf, dass die Wolken abtrocknen und sich die Abschirmung herangeschlichen hat. Nichts wie zurück!

Am Funk rührt sich nun nur mehr wenig, und der Weg gegen den Wind bei immer schlechter werdender Einstrahlung wird schwierig und weit. Kurz vorm Dürrenschöberl reicht es laut Rechnung grad noch fürs Heimgleiten nach Aigen, allerdings mit wenig Sicherheit und dann noch mit Gegenwind! Das ist mir zu Riskant und mit sehnsüchtigem Blick auf die Bummerln am Hauptkamm die ich jedoch nicht mehr erreichen kann, parke ich mich überm letzten Sonnenhang ein und mache in 20 schweißtreibenden Minuten mühsam noch 400m, mit denen ich dann doch Richtung Aigen gleite, wo ich wenig später lande. „Da Fliega woit hoam!“ – Die Ausrede kommt wie gerufen und im Nachhinein war es ein guter Zufall dass ich die B4 gleich „heimgestellt“ habe, das Wetter ließ weitere Wertungstage leider nicht zu und so war der Flieger in der Halle.

Wieder in Niederöblarn waren wir gespannt auf die Flüge der anderen, wie weit waren sie gekommen bzw. wie lange waren sie geflogen? Da erfuhren wir dass ein einsamer Kämpfer immer noch in der Luft war und in seiner Ka8 sein Sitzfleisch aufs äußerste prüfte und auf dem Weg Richtung 5h war. Irgendwie hatte er es geschafft, der Luft in Platznähe noch etwas Steigen abzuringen, Richtung Hauptkamm war es noch länger gegangen. Mit leichtem Ärger darüber, dass ich zur falschen Zeit an den falschen Ort geflogen war und somit meine vorzeitige Landung selbst verschuldet hatte, machte ich mich Richtung Abend Briefing auf, wo wir die Meldung über eine sichere Außenlandung in Liezen und eine Flugplatzlandung in Turnau erhielten. Es war also nicht nur mir gegen Ende der Thermik schwer gefallen oben zu bleiben. Langsam brach die Dunkelheit über Niederöblarn herein und müde machten wir uns auf den Weg in die Quartiere (wieder Heimvorteil, ich schlief zuhause☺), jeder mit neuen Erfahrungen und Erlebnissen im Gepäck.

Der nächste Tag hielt leider was der Wetterbericht versprach und so verbrachten wir den Vormittag mit Analyse des gestrigen Wetters und der geflogenen Strecken. Da gab es viel zu lernen und interessante Ausführungen übers Streckenfliegen in all seinen Facetten von Victor und Michaela machten uns so manche Sache klarer. Der restliche Tag wurde freigegeben und für den nächsten Tag, Samstag, wurde die Siegerehrung geplant. Außerdem wurde ein Vortrag von Dietmar Weingant angekündigt, den wir mit Freude erwarteten.

Samstag Vormittag wurden noch mal mit SeeYou- (und mal mehr, mal weniger Beamer-) Unterstützung zwei Flüge analysiert, Clemens Mandl war ja am Donnerstag Richtung Wiener Neustadt geflogen und hätte seine Libelle heimgestellt, wär ihm nicht das Wetter dazwischen gekommen, so landete er in Turnau und er erzählte uns über seine Erlebnisse. Ich durfte meinen Flug auch präsentieren und dann ging es an die Siegerehrung. Da bei der Silver Challenge traditionsgemäß der erste Wertungstag Dauerflug heißt, gewann Reiter Stefan, der mit seiner Ka8 4h30min in der Luft war, zweiter wurde Promitzer Thomas und dritter wurde ich. Neben der Wertung für die Silver Challenge wurde auch noch die Sieger der Unionswertung gekürt, erster Reiter Stefan, zweiter Lackner Harald und dritter Böhm Gerhard.

Anschließend hielt Dietmar Weingant seinen Vortrag in dem er vor allem auf die Punkte Flugsicherheit und die flugtechnischen Aspekte des Streckenfliegens einging (Linien fliegen, Sollfahrt, usw). Durch den mit vielen persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen ausgemalten Bericht konnten wir von diesem Meister des Strecken- und Wettbewerbsfluges, der 2001 den Barron Hilten Cup gewann, viel Neues lernen und altbekanntes besser verstehen. Es ist eine Freude von solchen Profis zu lernen!

 

Mit diesem Highlight endete die leider sehr verregnete 6. Silver Challenge zwischen Cafe, Abrüsten und gescheiten Fliegergesprächen. Schließlich machte sich einer nach dem anderen an die Heimreise. Jeder bestückt mit neuen Erfahrungen und Einsichten die er sich in Niederöblarn erflogen hat, auf dem Weg ein richtiger Streckenflieger zu werden.

Zum Schluss möchte ich noch allen Danken die mir die Teilnahme an der Silver Challenge ermöglicht haben, speziell unserem Vorstand für die Erlaubnis mit unserer B4 in LOGO teilzunehmen und meinen Helfern Andi Haider und Markus Köberl, die mich im Falle des Falles auch aus dem Zillertal geholt hätten ☺ und natürlich unseren Schlepppiloten und Starthelfern.

Ebenso Danken möchte ich Michael Gaisbacher für die Organisation und den Einsatz mit dem er sich für die Junioren einsetzt um uns weiterzubringen. Michaela und Victor Steiner für ihre tatkräftige Hilfe in Theorie und Praxis und Dietmar Weingant für seine interessanten Ausführungen.

Zuletzt noch Dank an die Betriebsleiter von LOGO die uns Neulinge immer wieder in der betriebsamsten Zeit des Jahres willkommenheißen und den Betrieb so toll regeln.
Ich wünsche allen Teilnehmern der Silver Challenge 06 Glück ab, Gut Land, noch viele weite Strecken und vor allem ein besseres Wetter!

Johannes Mentasti